Jewgeni Korotun mit seiner Ehefrau Jewgenija und seinem Sohn Alexandr. 6. Oktober 2026.

Jewgeni Korotun mit seiner Ehefrau Jewgenija und seinem Sohn Alexandr. 6. Oktober 2026.

Jewgeni Korotun mit seiner Ehefrau Jewgenija und seinem Sohn Alexandr. 6. Oktober 2026.

Verbüßte Strafen

„Die Jahre, die ich mit meiner Familie hätte verbringen können, kommen nicht zurück.“ Jewgeni Korotun wurde nach sechs Jahren Haft entlassen.

Gebiet Tomsk,   Gebiet Swerdlowsk

Am 6. Oktober 2026 verließ Jewgeni Korotun (56), Zeuge Jehovas, das Straflager in Nischni Tagil, rund 2.000 Kilometer entfernt von seinem Heimatort Sewersk. Unter Anrechnung der Zeit im Untersuchungsgefängnis hat der Gläubige seine volle Haftstrafe abgesessen, die ihm für seine Religionsausübung auferlegt worden war.

„Am meisten macht mir zu schaffen, dass ich nicht erleben kann, wie mein Sohn aufwächst", sagte Jewgeni, nachdem er ins Gefängnis gekommen war. „Die Jahre, die ich mit meiner Familie verbringen könnte, bekommt man nie zurück." Damals war sein Sohn erst 9 Jahre alt.

Jewgeni nutzte jede Gelegenheit, um seine Ehefrau, Jewgenija, zu unterstützen und sich um das Kind zu kümmern. Während der vier Jahre im Straflager konnten die Korotuns 14 Besuche wahrnehmen. Fast täglich standen sie telefonisch in Kontakt. „Jewgeni hat seinem Sohn eigene Briefe geschrieben", berichtete seine Frau. „Er griff Themen auf, erklärte sie, regte Sascha mit Fragen zum Nachdenken an, fertigte kleine Skizzen mit dem Kugelschreiber an und schickte Quiz-Aufgaben mit verschiedenen interessanten Rätseln."

Jewgeni leidet unter einem angeborenen Herzfehler, im Gefängnis quälten ihn zudem häufig starke Kopfschmerzen. Zunächst musste er im Lager als Geländeputzer und Hilfsarbeiter arbeiten. Später wurde er mit Aufgaben rund um die Sammlung, Annahme und den Versand von Papier, Plastik und Verpackungskarton betraut.

Während seiner Haftzeit erhielt Korotun rund 10.000 Briefe. „Danke an die Freunde, die Briefmarken, Karten und Zeichnungen beigelegt haben. So entstand ein Kreislauf der Liebe: Jewgeni konnte nicht nur Briefe erhalten, sondern auch selbst verschicken, was ihm viel Freude bereitete", sagte Jewgenija.

Das Strafverfahren gegen Korotun wurde im Juli 2020 eingeleitet. Ihm wurde vorgeworfen, die Tätigkeit einer extremistischen Organisation organisiert zu haben. Nach fast eineinhalb Jahren schickte das Gericht den Gläubigen ins Straflager. Am selben Tag wurde auch gegen Jewgenis Schwager, Andrei Kolesnitschenko, ein Schuldspruch verhängt.

In Sewersk wurden insgesamt sieben Zeugen Jehovas wegen ihres Glaubens strafrechtlich verfolgt.

Fall Korotun in Sewerst

Fallbeispiel
Im Juli 2020 drangen Ermittlungsbeamte der Ermittlungsbehörde und des FSB in die Wohnung von Jewgeni Korotun in Sewersk ein. Während einer langwierigen Hausdurchsuchung mussten die Ehefrau von Jewgeni und ihr 9-jähriger Sohn auf dem Treppenabsatz warten. Einen Tag zuvor war ein Strafverfahren gegen den Gläubigen eingeleitet worden. Jewgeni verbrachte 2 Tage im Polizeigewahrsam und 54 Tage unter Hausarrest, danach wurde er ins Untersuchungsgefängnis gebracht, wo er etwa 2 Jahre blieb. Ihm wurde vorgeworfen, wegen friedlicher Gottesdienste die Tätigkeit einer extremistischen Organisation organisiert zu haben. Grundlage waren versteckte Audio- und Videoaufnahmen, die Kira Klischewa und Jelena Studjonowa, eine Mitarbeiterin der Rosgwardia, angefertigt hatten. Beide Frauen zeigten angebliches Interesse an der Bibel. Ende März 2021 gelangte der Fall vor das Stadtgericht. Im Januar 2022 wurde der Gläubige zu 7 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Berufung und Kassation bestätigten das Urteil. Im Oktober 2026 wurde Jewgeni Korotun nach vollständiger Verbüßung seiner Strafe freigelassen.
Chronologie

Angeklagte in dem Fall

Zusammenfassung des Falles

Region:
Gebiet Tomsk
Siedlung:
Sewersk
Woran besteht der Verdacht?:
„Er organisierte eine verdeckte konspirative Zusammenkunft in Form eines kollektiven Gottesdienstes, bestehend aus dem aufeinanderfolgenden Singen von Liedern aus dem speziellen Liederbuch der religiösen Lehre der Zeugen Jehovas und Gebeten zu Gott Jehova sowie dem Vortrag von Korotun über Schutzmaßnahmen gegen Coronavirus-Infektionen.“ (aus der Anklageschrift)
Aktenzeichen des Strafverfahrens:
12002690003000070
Eingeleitet:
13. Juli 2020
Aktueller Stand des Verfahrens:
Das Urteil ist rechtskräftig geworden
Untersuchend:
Ermittlungsbehörde des Ermittlungsausschusses der Russischen Föderation für das Gebiet Tomsk
Artikel des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation:
282.2 (1)
Aktenzeichen des Gerichts:
1-5/2022 (1-183/2021)
Gericht:
Seversk City Court of the Tomsk Region
Richter:
Svetlana Chebotareva
Fallbeispiel
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