Sergei Rygaev und Leonid Pyschow
Sergei Rygaev und Leonid Pyschow
Omsker Gebietsgericht schickt zwei Zeugen Jehovas für lange Zeit ins Straflager
Gebiet OmskAm 6. August 2026 verschärfte das Gebietssgericht Omsk das Urteil für den 52-jährigen Leonid Pyshow und den 54-jährigen Sergei Rygajew: Statt 3,5 Jahren Zwangsarbeit erhielten beide Gläubigen jeweils 6 Jahre Freiheitsentzug im Straflager des allgemeinen Regimes.
In seinem letzten Wort vor dem Berufungsgericht erinnerte Rygajew das Gericht: „33 Jahre lang habe ich gebetet, die Bibel gelesen und nie jemandem Schaden zugefügt – weder Menschen noch dem Staat; im Verfahren gibt es keine Geschädigten.“ Pyshow wies auf den Widerspruch im Kern der Anklage hin: „Wenn friedliches gemeinsames Ausüben der Religion ohne irgendwelche Anzeichen von Extremismus der Fortsetzung der Tätigkeit einer aufgehobenen juristischen Person gleichgesetzt wird, dann wird die gesetzlich festgelegte Grenze zwischen dem verfassungsmäßigen Recht auf Religionsfreiheit und strafrechtlicher Verantwortung verwischt.“
An den Sitzungen im Saal des Gebietssgerichts Omsk nahmen bis zu 50 Zuhörer teil – obwohl der Saal eigentlich nur für 20 Plätze ausgelegt ist. Der Gerichtsvollzieher und die Gerichtsekretärin kamen den Zuhörern entgegen: Auf ihre Initiative wurden zusätzliche Stühle in den Saal gebracht.
Im erstinstanzlichen Verfahren strebte die Verteidigung einen Freispruch an, verwies auf das Fehlen des Tatgeschehens und der Tatbestandsmerkmale sowie die Unhaltbarkeit der Beweislage. Der Anwalt betonte zudem, dass die Anklage Begriffe vermische und die erlaubte religiöse Tätigkeit mit der Tätigkeit der liquidierten juristischen Person gleichsetze.
Das Strafverfahren gegen Rygajew und Pyshow wurde im Februar 2024 eingeleitet. In ihren Wohnungen fanden Hausdurchsuchungen statt, bei denen auch Gewalt angewendet wurde; beide Männer kamen ins Untersuchungsgefängnis, wo sie fast ein halbes Jahr verbrachten. Die Gläubigen wurden im April 2026 wegen „Organisation der Tätigkeit einer extremistischen Organisation“ verurteilt.


