„Heute wollte ich nur über das sprechen, was ich für am wichtigsten halte: über Gerechtigkeit, Gewissen, menschliche Würde und die Sorge um diejenigen, die unsere Hilfe brauchen“, fasste der Gläubige seine Rede zusammen.
Stenogramm:
Hohes Gericht! Heute möchte ich nicht über Beweise, juristische Normen oder die Umstände des Falls sprechen. Dazu wurde bereits genug gesagt. Ich möchte über etwas sprechen, das meiner Meinung nach für jeden Menschen wichtig ist – unabhängig von Alter, Bildung, Nationalität, politischen Ansichten oder Glaubensüberzeugungen. Ich möchte über Gerechtigkeit sprechen.
Vermutlich gibt es keinen Menschen, der sich nicht zumindest einmal im Leben gefragt hat, was Gerechtigkeit eigentlich ist. Jeder von uns wünscht sich gerechte Behandlung. Wir wollen, dass man uns richtig versteht, ehrlich beurteilt und nach dem beurteilt, was wir tatsächlich sind – nicht nach Vermutungen anderer.
Dieses Streben ist so alt wie die Menschheit selbst. Wie ein Staatsmann einmal sagte: „Gerechtigkeit ist das ewige Anliegen der Menschheit.“ Und das stimmt tatsächlich. Während der ganzen Geschichte haben Menschen Gerechtigkeit gesucht: sie haben Gesetze geschaffen, Gerichte eingerichtet und unterschiedliche Rechtssysteme entwickelt. Epochen, Staaten und Gesellschaftsordnungen wechselten, das Streben nach Gerechtigkeit aber blieb bestehen.
Heute begegnet man den Symbolen der Justiz in fast jedem Gerichtsgebäude. Themis oder Justitia wird mit verbundenen Augen und einer Waage in der Hand dargestellt. Die verbundenen Augen stehen für Unparteilichkeit, die Waage für die Fähigkeit, alles, was darauf gelegt wird, sorgfältig und ehrlich abzuwägen.
Meiner Ansicht nach ist das ein sehr tiefgründiges Bild. Es erinnert daran, dass ein gerechtes Urteil nicht aus Gefühlen, Vorurteilen oder Meinungen anderer entsteht. Es entsteht, wenn jemand fähig ist, die Fakten unparteiisch zu bewerten und eine Entscheidung nach seinem Gewissen zu treffen.
Ich persönlich halte dieses Streben nicht für zufällig. Als Gläubiger bin ich überzeugt, dass es von unserem Schöpfer in jedem von uns angelegt wurde. Es hängt nicht von Nationalität, Herkunft, Geschlecht oder Überzeugungen ab. Wenn jemand nach seinem Gewissen …